Kaufberatung GLAS 1700

So sieht ein ziemlich hoffnungsloser Fall ausSo sieht ein ziemlich hoffnungsloser Fall ausDer GLAS 1700 war bereits in den 60er Jahren als sportliche Reiselimousine bekannt. Der geräumige Innenraum mit vier Türen bietet viel Platz und Komfort. Der Motor mit Zahnriemenantrieb ist die Weiterentwicklung des aus dem GLAS 1004 – 1304 entstandenen Antriebsaggregates.
Die Limousine war das erste vollwertige Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse, welches GLAS nach seinen Anfängen herausgebracht hatte. Zwischenzeitlich hatte man viel gelernt und vorbei waren die Kleinwagenzeiten: nicht mehr eng zusammenrücken wie im Goggomobil oder Isar oder darüber nachdenken, wohin mit dem linken Fuß wie beim GLAS 04, wo der Radkasten mitten im Fahrerraum saß. Hier hatte man Platz und konnte bequem reisen.
Trotzdem war dem 1700 viele Jahre ein Stiefmütterchendasein beschert und kaum jemand interessierte sich für das Fahrzeug. Das hat sich mittlerweile geändert, denn die Limousine ist eines der zuverlässigsten GLAS Automobile. Leider sind kaum noch Fahrzeuge verfügbar.

Karosserie

Mit der Karosserie gab es anfänglich viele Schwachstellen, die erst ab Baujahr 1966 durch teilweise verzinkte Bleche abgestellt wurden.
Achtung bei der Scheibe vorne bilden sich oft RostnesterAchtung bei der Scheibe vorne bilden sich oft Rostnester                        Am Kotflügel bei der  A Säule geht der Rostbefall weiterAm Kotflügel bei der A Säule geht der Rostbefall weiter
Speziell der komplette Vorderbau, angefangen vom A-Säulen-Bereich bis hin zu Kotflügel- und Schweinwerferbereich inklusiv Töpfe so wie die Quertraverse für die Aufnahme der Motorhaube sind vom Rost stark gefährdet. Auch das untere Windleitblech so wie die Vorderseite der Motorhaube sollte man sich bei dem Fahrzeug aufmerksam anschauen.
Dabei sollte man die Unterkante der vier Türen sowie Schweller und die hinteren Radläufe nicht außer acht lassen.
Die Quertraverse zwischen den Vorderkotflügeln ist besonders anfälligDie Quertraverse zwischen den Vorderkotflügeln ist besonders anfällig                         Auch die Radläufe hinten bleiben meist nicht verschont Auch die Radläufe hinten bleiben meist nicht verschont

Technik

Für den Motor gelten die Probleme wie bei den übrigen GLAS-Vierzylindern.  Man sollte Zahnriemen und Kipphebelführungen im Auge behalten.
Der Motor ist beim 1700 als Langhuber ausgelegt und sollte vor höheren Drehzahlen über 5.500 U/Min. verschont bleiben. Allgemein läuft der 1700 Motor etwas rauer, ist aber im unteren Drehzahlweich durchzugsstärker.
Bei den TS-Modellen sind die serienmässigen Solex-Schrägstromvergaser wartungsaufwändig. Spätestens nach 100.000 km sind die Vergaser komplett zu überholen (Vergaserwelle, Membranen).
Das Getrag Viergang-Getriebe macht in der Regel keine Probleme, lediglich die Synchronisation für den 2. Gang ist anfällig.
Differenzial und Hinterachse sind sehr robust.
Die Vorderachse ist fast baugleich zu der vom GLAS GT. Dementsprechend sollte man alle Gummiteile erneuern.

Innenausstattung

Die Sitze bei den ersten Baujahren bestanden aus Veloursstoffen mit seitlichem Kunstleder und sind meist verschlissen. Ersatz gibt es nur über den Sattler. Später wurden die Sitze ganz mit Skai bezogen und waren robuster.
Das Armaturenbrett ist mit einer Folie aus Holzimitat überzogen, welche oft gerissen ist. Die später von BMW ausgelieferten Limousinen hatten einen schwarzen Kunstlederüberzug.

Ersatzteilsituation

Bei den Karosserieteilen findet man kaum noch Neuteile. Gebraucht werden noch Türen, Hauben usw. angeboten. Außer Türschwellern werden keine Nachfertigungen durchgeführt, da die Nachfrage zu gering ist. Stoßstangen und Radkappen sind aus Edelstahl und werden kaum benötigt, einzelne Teile kann man aber noch neu bekommen.
Technisch gibt es kaum Probleme. So sind Motor- und Fahrwerksteile aus neuen Nachfertigungsaktionen verfügbar. Auch Auspuffanlagen und Kupplungen werden neu angeboten.

Fazit

Auch hier gilt, dass die bessere Karosserie der bessere Fahrzeugkauf ist. Ab und zu werden Fahrzeuge im Zustand 4-5 angeboten. Im Gegensatz zum GT sind sie meist nicht verbastelt und vollständig.
Für € 2.000 bis € 3.000 erhält man ein anständiges Restaurierungsobjekt. Restaurierte Fahrzeuge sind auf dem Markt kaum verfügbar. Für gute oder restaurierte Fahrzeuge muss man zwischen € 8.000 bis € 15.000 bezahlen (Stand 2012).
Dann hat man aber ein Fahrzug mit geringem Verbrauch, hohem Komfort, Langstreckentauglichkeit und auch bei richtiger Wartung eine hohe Zuverlässigkeit. Das gilt besonders für das Einfachvergasermodell mit 80 bzw. 85 PS.