GLAS Club
GLAS Automobil Club International e.V.

Der Mikrus
Mikrus-Logo

Für einen Kleinwagen vom Format des Goggomobils interessierten sich in den 50iger Jahren vor allem auch die Ostblockländer. Der Erfolg der aufstrebenden Dingolfinger Autoschmiede, Mikrus von vorn die von März 1955 bis März 1958 schon mehr als 100.000 Goggomobile verkauften, hatte weltweit das Interesse am Lizenzbau für diesen kleinen zweitaktenden Viersitzer geweckt.
Die Polen führten Gespräche mit GLAS über die Vergabe einer offiziellen Lizenz zum Nachbau für den Bereich der Ostblockstaaten. Chronischer Devisenmangel war wohl der Hauptgrund, daß das Geschäft nach mehrfachen Verhandlungen nicht zustande kam.
Aber deshalb wurde das Projekt nicht aufgegeben. Berücksichtigt man, daß ein Fiat 600 im offiziellen Zloty-Umrechnungs-Kurs 1958 etwa 11.500,- DM kostete, versteht man die Beweggründe hierfür. Ein Goggo-Nachbau wäre bedeutend billiger gekonmen. Drei gekaufte Original-Goggomobile wurden zerlegt, studiert und soweit modifiziert, wie man es für nötig hielt. Das Ergebnis waren zwei Prototypen. Der eine war der Mikrus, der der Goggo-Limousine ähnlich war, und der andere war der Medusa, eine Kreuzung zwischen Limousine und Coupé. Mikrus von hinten Der Medusa wurde nicht weiterverfolgt, aber der Mikrus sollte in einem ehemaligen Flugzeugwerk in Rzeszow gebaut werden. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde bekannt, daß Hans Glas juristische Schritte für den Fall des Serienanlaufs angedroht hatte.
Das war mehr als verständlich, denn Bodengruppe, Achsen, Räder und Motoreinheit waren vom Goggomobil entliehen, der Motor sollte allerdings 350 ccm und etwa 16 PS haben. Oberhalb der Bodengruppe zeigten sich eine Reihe von Änderungen. Der Mikrus wirkte insgesamt etwas länger als das Goggomobil. Die Front war eckiger, hatte größere Scheinwerfer, eine gebogene Frontscheibe und geteilte Stoßstangen. Das Heck zeigte eine auffällig mit Luftschlitzen versehene Motorklappe, vermutlich waren thermische Schwierigkeiten der Grund dafür. Die Innenausstattung wich in einer Reihe von Details vom Dingolfinger Original ab. Besonders auffällig das Lenkrad, das stilistisch an Citroen erinnert. Die Armaturen sind weiter nach rechts gewandert, vor der Front- und der Heckscheibe sollten tatsächlich kleine Ablageflächen vorhanden sein.
Mikrus Armaturenbrett Eine Heizung war nicht vorgesehen, der Wärmetauscher fehlte völlig. Auch bei den Sitzen wurde wohl gespart, denn der Beifahrersitz war nicht nach vorn klappbar.
Welches Fahrzeug den Polen damals wohl besser gefiel, läßt sich an den Blicken der Passanten nicht klar ablesen. Darüber kam sich jeder sein eigenes Urteil bilden.
Es ist nicht bekannt, wieviele Fahrzeuge vom Typ Mikrus gebaut wurden und ob überhaupt noch einer dieser Kleinwagen existiert. Möglich ist das schon, denn in Polen gehören auch heute noch bedeutend ältere Autos zum ganz normalen Bild im Straßenverkehr. Viel Glück beim Suchen.

Fotos: Robert Poensgen

Weitere Informationen zum MIKRUS finden Sie in englischer bzw. polnischer Sprache auf den MIKRUS-Homepages
(http://www.autohistories.com/mikrus
http://kornac.w.interia.pl/Mikrus/indexmikrus.htm
http://www.mikrus.rajtel.pl
http://www.mikrus-microcar.republika.pl In Polen ist der Mikrus auch in diversen Museen ausgestellt.

Uwe Staufenberg mit MIKRUS in Madison/USAMikrus - Armatur
Uwe Staufenberg mit MIKRUS in Madison/USA