GLAS Club
GLAS Automobil Club
International e.V.

Camping

Wir haben unsere Campingnächte - von gelegentlichen ungefreuten und naturfernen Hotelbesuchen abgesehen - bis kürzlich vorwiegend im Zelt gefeiert. Und waren eigentlich ganz zufrieden dabei.
Die noch feineren Leute verreisen per Wohnwagen. Das wollten wir auch einmal ausprobieren, und außerdem wollten wir gern sehen, wie sich ein Goggomobil dazu stellt.
Wir schlugen die zuständigen Paragraphen nach, um zu erfahren, was die Obrigkeit meint. Sie meint: ein Anhänger ohne eigene Bremsen darf nicht mehr wiegen als die Hälfte des um 75 kg erhöhten Leergewichts des Fahrzeugs. Das Goggomobil bringt 386 Kilo uuf die Waage; Hälfte plus 37,5 macht 230,5 kg - Höhe-, Breite-, Länge-Vorschriften tun uns nichts. Camper
200 Kilo Wohnwagen (den Rest des Erlaubten brauchen Sie für Gepäck und sonstige Zuladung) ist nicht sehr viel. In dieser sozusagen Federgewichtsklasse gibt es hauptsächlich einige Zeltanhönger; das sind einfache Kastenwagen mit Aufsteckgerüst drauf und ein paar Quadratmetern Zeltbahn, die man drüberspannt - und nicht viel mehr als ein etwas fragwürdiges Zelt im ersten Stock mit zwei Rädern untendran.
Wir suchten etwas Besseres und fanden den "Camper", den Artist Dethleffs in Isny baut. Die Firma war so nett, uns einen anzuvertrauen.
Der "Camper", den Sie auf den verschiedenen Bildern in mehreren Perspektiven sehen können, hat ein absenkbares Dach und ist auf der Fahrt inklusive Räder 147 cm hoch, 16 cm höher als das Goggomobil (weshalb Sie den inneren Rückspiegel gänzlich Ihrer Frau zu Schönheitspflegezwecken zur Verfügung stellen können). Am Platz wird dann umgebaut: Tür aufsperren, Stützen anmachen, entriegeln, Doch auf der einen Seite hochheben, auf der anderen auch. Hinterteil ausklappen, obere Wandhölften (aus Zellstoff) an die starren Unterwände (Hartfaserplatte) knöpfen - fertig. Ein großer, starrer Wagen, in den man bloß einzusteigen braucht, wäre natürlich noch bequemer, würde den abendlichen Hochbau sparen (und wenn's regnet, das Wasser, das einem dabei auf den Buckel fällt) und hinterm Goggomobil noch viel drolliger aussehen - aber es würde, selbst wenn man gewichtsmäßig einigermaßen hinkäme, doch eine elende Fahrerei daraus bei der Ihnen der Luftwiderstand nebst anderen unerfreulichen Begleiterscheinungen, etliches zu schaffen machte. Das Aufstellenmüssen ist bestimmt das wesentlich geringere Übel; und dauert euch bei nur mäßiger Geübtheit nicht länger als fünf Minuten (Rekordzeit im Hause Dethleffs: 15 Sekunden).
Hinterher, nach getaner Arbeit, haben Sie ein gemütliches kleines Zimmer, in dem vier Leute sitzen können, in dem man kochen kann (wir hatten zu diesem Zweck einen zweiflammigen Propangaskocher dabei) und in dem kleinere Personen unter 1,70 sogar aufrecht stehen können. CamperWie angenehm so etwas ist, haben wir gleich am ersten Tag auf dem Campingplatz von Isny festgestellt, wohin wir uns übungs- und gewöhnungshalber zurückgezogen hatten und wo es bald ziemlich strömend anfing zu regnen. Da kauerten unsere minder komfortabel ausgerüsteten Nachbarn recht beleidigt und abgekühlt in ihren Zelten und fanden's äußerst unbehaglich. Wir sind im Wohnwagen gesessen, an einem richtigen Tisch, auf richtigen Bänken, neben richtigen kleinen eingebauten Schränken (aus denen man sein Zeug nicht jeden Tag herausreißen muß, wenn man weiterfährt, haben warm gemacht (mit Heizplatte auf Propankocher), meine Frau hat Tee gebrüht, mein Sohn ein Bilderbuch gelesen, und ich habe ihnen zugeschaut. Hier und da haben wir ein, zwei Blicke ins Freie geworfen und nachgesehen, wie's den anderen geht - es regnete immer noch - und wir waren sehr froh um unsere feste Burg.
Vor dem Schlafengehen tut man im Camper genau dasselbe wie daheim, wenn man eine Bettcouch hat: man verwandelt. Räumt den Tisch ab, legt ihm eine halbe Etage tiefer auf die Ränder der Gepäck- und Bettzeugtruhen (die am Tag Sitzbanke sind), schichtet die Schaummatratzen auf, breitet ein Leintuch aus und legt sich auf dasselbe. Die Bettbreite reicht gut für zwei dicke Erwachsene oder - bei uns - für zwei dünne und einen Sohn.
Am Morgen sind wir dann gefahren. Am Pfingstsonntag, unter großer Anteilnahme des Publikums; den Bodensee entlang, durch den Schwarzwald, nach Freiburg über die Grenze noch Frankreich, Belfort, Lyon, Rhonetal, Avignon, Arles, St Maries de la Mer und wieder zurück (natürlich nicht alles am Sonntag; das waren 2000 km).
Camping Zuallererst muß man sich dabei an eins gewöhnen: an die 13 Zentimeter, die der 154 cm breite Camper links und rechts übers Goggomobil hinaussteht. Die sind nicht verboten, wie manche Leute meinen (Sie dürfen 250 cm Anhöngerbreite haben), aber sie erfordern Ihre geschätzte Aufmerksamkeit: 13 cm sind ein kleines Stück, aber sie genügen unter Umständen, daß Sie damit bei widrigen Verkehrsverhältnissen irgendwo hängenbleiben oder einen oder mehrere wackelige Radfahrer mitnehmen; und das täte auch dem Anhänger nicht ganz gut.
Daß das Goggomobi1 nicht mehr so blitzartig abzieht wie sonst, werden Sie ihm nicht übelnähmen. Die vier Zentner hintendran bremsen doch ganz schön. Ein paar Beschleunigungen (mit Goggomobil-300): 0-20 km 3,8 sek 0-40 km 12 sek.; 0-60 km: 25,2 sek.
95 Spitze sind natürlich nicht mehr drin, aber wir sind auf ebener Strecke immerhin bis 75 gefahren und ließen die Fuhre den Berg hinunter über 80 laufen, ohne daß wir das Gefühl hatten, zu flattern; das Goggomobil lag auf der Straße wie ein Brett, und der Anhänger mit seiner tiefen Schwerpunktlage rollte ebenso brav hintendrein.
Schalten müssen Sie öfters, als wenn Sie solo fahren, besonders auf dem Berg, Steigungen bis 10, 11 Prozent macht aber noch der zweite Gang; einmal kamen 18, ohne Anlauf, die zog der erste. Und das genügt doch eigentlich für den Haus- und Urlaubsgebrauch. Bremsen - bei Gefälle im kleinen Gang machts keine Schwierigkeiten - im übrigen wird der Bremsweg etwas länger, und Sie müssen früh genug aufs Pedal treten, damit es nicht einmal aus Versehen bummst.
Das Umdrehen ist das Schwierigste. Perfekt erlernt habe ich's auf der ganzen Fahrt nicht. Der kluge Mann hat das aber auch gar nicht nötig - er kuppelt seinen Anhänger ab, dreht ihn mit der Hand um (was er ohne Assistenz fertigbringt) und rangiert mit dem Goggomobil allein.
Kupplung Im Bild sehen Sie unsere Anhängerkupplung. Sie war das einzige, mit dem wir nicht ganz restlos zufrieden waren. Erstens war das Rohr ein wenig zu schwach, und zweitens hat's uns der Mechaniker arg lief angemacht - und Bodersfreiheit zum Herschenken haben wir leider nicht. Mit der Zeit drückte der Anhänger das Rohr noch ein Stückchen tiefer, und wir mußten überall wo "Wellige Fahrbahn" oder "Route mauvais" stand, ziemlich vorsichtig sein, damit die Kupplung nicht dauernd auf den Boden donnerte, denn wir wollten sie ja mitsamt dem Anhänger wieder nach Hause bringen.
Das war aber nur ein Fehler in unserem Fall, man kann die Kupplung ohne übergroße Mühe auch richtig anbringen, darf nur das Rohr (oder noch besser zwei Rohre, damit man links und rechts an der Getriebeöl-Ablaß-Schraube vorbeikommt) nicht zu stark nach unten kröpfen und muß sehen, daß man zwischen den Auspuffrohren bald wieder hochkommt.
Sonst haben wir uns notiert: etwas mehr Reifendruck als normal: hinten 1,8, vorn 1,2 atü, damit das Fahrzeug härter federt; Kraftstoffverbrauch: ca. 7,3 bis 7,6 Liter auf 100 km (bei ziemlich zügiger Fahrweise). Und: der Camper kostet um 2000 DM (schwankt, je noch Ausstattung) und ist sein Geld auch wert.
In Les-Saintes-Maries-de-la-Mer (welches in der Camarque liegt) trafen sich gerade die Zigeuner zur "Grande Pélerinage". Sie zelteten und lagerten auf dem Campinggelände. Wir dicht daneben, was uns zunächst mit ziemlich tiefem Mißtrauen erfüllte. Doch scheint sich dieses liebenswürdige Volk während der Wallfahrtstage (am 24. und 25. Mai) auch läßlicher Sünden zu enthalten; sie haben uns weder die Goggomobilreifen noch den Wohnanhänger noch sonst etwas geklaut und übten auch beim Betteln anerkennenswerte und überraschende Zurückhaltung.

Camping-Ansichtskarte

Bilder und Bericht geklaut bei Eber.
aus aktuellem Anlass: DETHLEFFS feiert 2006 sein 75-Jähriges Bestehen


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