| GLAS Automobil Club International e.V. Der BMW 1800 SA |
In Deutschland unter den Fittichen von BMW gestorben, in Südafrika wieder auferstanden
Wieder-Geburt
 | | Bekanntes Gesicht und bekannte Optik - der BMW 1800 SA |
Wieder einmal hatte ich eine Reise vor. Diesmal sollte es in den südlichsten Teil Afrikas gehen, in die Republik Südafrika. Und da ich vom Weiterleben des GLAS 1700 dort wußte, hielt ich Ausschau nach einem dieser GLAS/BMW. Mit einem Wohnmobil fuhren wir von Johannesburg durchs unruhige Zulu-Land nach Durban. Von dort weiter durch die noch unsicherere Transkei, dann entlang der Garden Route bis zum südlichsten Punkt Afrikas, an das Kap Agulhas und weiter nach Kapstadt.
Erst da hatte ich das Glück, einen GLAS/BMW 1800 zu entdecken. Ich konnte auch den Besitzer ausfindig machen, und der erzählte mir, daß dieses Fahrzeug in Rhodesien gebaut wurde. Daher auch der Name CHEETAH (Gepard, schnellstes Landtier der Erde) am Heck des Fahrzeuges. Davon aber später mehr. In Johannesburg hatte ich Kontakt zu BMW aufgenommen, und leider sehr spät bekam ich die Adresse eines ehemallgen Mitarbeiters, der mir Auskunft geben konnte.
Von zuhause nahm ich dann Kontakt mit Hern Jütersonke auf und erfuhr von ihm, daß er der Mann war, der die Produktion des GLAS/BMW aufgebaut hatte. Und er schickte mir den folgenden Bericht über BMW in Südafrika und über den GLAS/BMW.
Herwig Wilk
Mehr zu der Südafrika-Produktion der Frua-Limousine erfahren Sie auf der Homepage von Ulrich Thieme:
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a60l10.htm BMW Südafrika
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a80l99.htm BMW 1800 SA und 2000 SA
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a86l99.htm BMW 1804 SA und 2004 SA
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a87l99.htm GLAS 1700
Nach Übernahme des GLAS-Werkes in Dingolfing durch die BMW AG in München, wurde das GLAS-Modell 1700 von BMW insoweit überarbeitet, daß man einen 1800ccm Motor von BMW mit Getriebe einbaute, und das G-Emblem mit dem BMW-Emblem austauschte und dann alle Presswerkzeuge sowie Zusammenbauvorrichtungen nach Südafrika an die Firma "Euro-Republik-Automobil-Distributor (PTY) Ltd. (ERAD)" verkauft hat.
 | | Hat Pietro Frua die Veränderungen nicht wieder meisterlich in die vorhandene Form integriert? |
Das hat im Jahr 1966 stattgefunden, im selben Jahr trat ich der Firma bei, um die Produktion aufzubauen und dann zu leiten. Montiert wurde unter Vertrag bei Datsun/Nissan in Rosslyn, einem Industriegebiet nordwestlich von Pretoria. Mitte 1968 lief die Produktion an. Der ehemalige GLAS 1700 wurde als BMW 1800 SA gebaut. Ein Jahr später, 1967, kam der BMW 2000 SA dazu. 1969 mußte die Firma ERAD den Konkurs anmelden, und fing unter dem Namen PRETOR wieder neu an. Es wurde die Montagehalle von KAISER JEEP in Rosslyn gemietet (Kaiser Jeep hatte seine Produktion wegen Konkurses eingestellt). Es wurden die Modelle BMW SA 1800/2000 von 1969 bis Oktober 1972 weitergebaut. Nach erneutem Konkurs unter dem Namen PRETOR kaufte die BMW AG die Firma auf und gründete am 1. November 1972 die Firma BMW SA (Pty) Ltd. und fuhr nach kurzer Unterbrechung mit der Produktion fort. Zur selben Zeit wurde im ehemaligen Rhodesien, heute Zimbabwe, der gleiche Wagen unter der Bezeichnung CHEETAH gebaut. Die Blechteile wurden von ERAD, Reifen, Glas, Polsterung und Batterie von rhodesisehen Firmen geliefert. Alle anderen Teile kamen von der BMW AG München unter großer Geheimhaltung über Südafrika nach Rhodesien. Es lief eine Tagesproduktion von 10 Einheiten, insgesamt wurden ca. 4000 Wagen gebaut. In Südafrika waren es ungefähr 6000 Fahrzeuge. Im März 1973 erfuhr der GLAS/BMW eine gründliche Überarbeitung. Pietro Frua bekam den Auftrag, das "Faceliften" durchzuführen. Folgende Teile wurden geändert:
- neue Matorhaube
- neue Seitenteile (Kotflügel)
- neuer Grill mit der typischen BMW-Niere
- neue vordere und hintere Abschlußbleche
- neue Heckleuchten von der BMW 5er-Reihe
- neue Stoßstangen vorne und hinten
- verbesserte Polsterung und Innenverkleidung
- neues Armaturenbrett mit Rundinstrumenten
- Zwangsentlüftung in der C-Säule
Dieser Wagen bekam die Modellbezeichnung BMW 1804 und BMW 2004, In Anlehnung an die Typenbezeichnungen der anderen BMW. Gebaut wurde er bis 1974. Die Presswerkzeuge kamen auch von der Firma FRUA und wurden von mir selbst im März 1973 in Turin abgenommen. Erst Ende 1974 kam der erste "echte" BMW, nämlich der 520, nach Südafrika und löste den GLAS/BMW ab.
Rudi Jütersonke, Pretoria, ehemaliger Leiter der BMW-Produktionsstätte in Südafrika.
| Typ |
Produktions - Zahlen |
| |
1967 |
1968 |
1969 |
1970 |
1971 |
1972 |
1973 |
1974 |
TOTAL |
| 1800 SA |
- |
127 |
810 |
580 |
262 |
388 |
207 |
- |
2374 |
| 2000 SA |
- |
- |
131 |
980 |
1219 |
1118 |
894 |
- |
4342 |
| SA total |
Angaben laut "Auto-Data-Digest", Ausgabe 1993 |
6716 |
 | | Auch in der seitlichen Linienführung hat der Italiener eine ausgewogene Form geschaffen |
1967 erreichte BMW die Anfrage aus Südafrika, ob es möglich wäre, die Modelle der "Neuen Klasse" in Lizenz zu bauen und ob BMW die entsprechenden Produktionseinrichtungen liefern könne. Statt der BMW-Serie bot das Münchner Unternehmen den Südafrikanern den GLAS 1700 an. Die Entscheidung, auf den GLAS zu verweisen, war richtig. Die ganzen Fertigungseinrichtungen des GLAS waren, im Vergleich zu der des BMW, auf eine geringere Produktionszahl mit größeren Toleranzen und erweiterter handwerklicher Nacharbeit ausgerichtet.
 | | Die dynamische Linienführung kommt in diesem Bild gut zur Geltung |
Die auf höheren Ausstoß angelegte Produktion des 1500/2000ers setzte auch einen wesentlich umfangreicheren Maschinenpark voraus. Die Produktion ließ sich also mit dem GLAS auch mit geringeren finanziellen Mitteln aufbauen. Dies bestätigt auch der Umbau der GLAS-Karosserie zum BMW 04, bei der zwar viele Teile aus der aktuellen BMW-Produktion in den Süd-Ableger integriert wurden, nicht aber die Produktionsanlagen der inzwischen ausgelaufenen "Neuen Klasse" nach Afrika kamen. Gleichzeitig war BMW das ungeliebte Kind auf elegante Art und Weise losgeworden. Nicht mehr erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, daß BMW für den GLAS 1700 ein eigenes, auf BMW-Schema zugeschnittenes Wartungshandbuch In deutsch und englisch herausgegeben hat, und zwar mit dem Ausgabedatum 1. 12.1968.
Zu den ersten Änderungen beim GLAS gehörte, was Herr Jütersonke nicht erwänte, natürlich auch der Umbau der Bedienungselemente auf die rechte Fahrzeugseite, denn in den Ländern Rhodesien und Südafrika herrscht (als ehemals englische Kolonien) Linksverkehr.
Bemerkenswert ist auch, daß die spätere Umgestaltung der Karosserie wieder von Pietro Frua vorgenommen wurde. Ziel der Maßnahmen war es, das Fahrzeug mit einfachen Mitteln mehr der BMW-Optik anzupassen und aktuell zu halten, bis die Produktion der 5er Reihe anlaufen konnte. Auch wurde eine Kombi-Variante des GLAS/BMW kreiert, die jedoch keinen Produktionsstart erlebte. Heute ist BMW-Südafrika ein florierendes Unternehmen mit Aufbau und Fertigung von Fahrzeugen aller aktuellen BMW-Modelle. Auch die Ausführungen für weitere Staaten mit Linksverkehr (z.B. Australien) werden hier erstellt. Ohne den GLAS hätte sich BMW vermutlich gar nicht in Südafrika etablieren können.
Andreas Schey Repro-Fotos: Andreas Gutknecht
 | | Ein Eindruck aus der recht einfachen Produktion der BMW's. Im Hintergrund die Montage der 2500/2800 BMW.
|
Technische Daten:
| Motor |
1804 |
2004 |
|---|
| Zyllnderlnhalt |
1767 ccm |
1990 ccm |
| Bohrung |
89 mm |
89 mm |
| Hub |
71 mm |
80 mm |
| Verdichtung |
8,6:1 |
8,5:1 |
| Leistung |
67 kW / 90 PS bei 5800 U/min |
75 kW / 100 PS bei 5800 U/min |
| Drehmoment |
143 Nm bei 3000 U/min |
157 Nm bei 3000 U/min |
| Vergaser |
Solex-Fallstromvergaser |
| Getriebe |
vollsynchronisiert |
| |
1. Gang: 2. Gang: 3. Gang: 4. Gang: |
3,835:1 2,053:1 1,345:1 1,000:1 |
| Achsunters. |
4.125:1 |
3,89:1 |
| Lenkung |
ZF-Gemmer, Schnecke u. Rolle |
| Bereifung |
185 SR 14 Radialreifen |
| Felgen |
5Jx14 |
| Bremsen |
vorne: Scheibenbremsen hinten: Trommelbremsen |
| Elektrik |
12 Volt, 500 Watt, Batterie 44 Ah |
| Tankinhalt |
58 Liter |
| Radaufhängung |
|
| vorne: |
unabhängige Radaufhängung mit zwei Dreieckslenkern in Gummilagern, doppelt wirkende Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator, 150 mm Federweg |
| hinten: |
Konstant-Spur-Achse mit halbeliptischen, dreilagigen Blattfedern mit Nylon-Zwischenlagen, Panhard-Stab, Gurnmi-Luft-Zusatzfedern, einfach wirkenden Stoßdämpfem, 180 mm Federweg |
| Maße |
Länge Breite Höhe Radstand Spurweite |
4465 mm l6l0 mm 1390 mm 2500 mm 1320 mm |
| Gewicht |
Leer Zuladung |
1020 kg 430 kg |
Beschleunigung 0-96 km/h |
12,5 sek. |
unter 12 sek. |
| Höchstgeschw. |
164 km/h |
über 175 km/h |
Verbrauch 100 km |
10,0 1 |
10,6 1 |
| Anhängelast |
gebremst: ungebremst: |
1200 kg 550 kg |
|