| GLAS Automobil Club International e.V. Der BMW 1800 SA |
BMW 1800 SA
Der Deutsch-Italiener auf dem Weg nach Südafrika
Nach der Übernahme von Glas durch BMW wurden viele Dinge ausprobiert, um die Gas-Palette attraktiver zu machen und auf der anderen Seite Synergieeffekte zu nutzen. Schon im Juni 1967 versah man die Frua-Limousine mit einern 1800er BMW Kurzhub-Motor, das Getriebe war sowieso das gleiche wie im BMW der "Neuen Klasse". Am 19. Juni 1967 wurde dem Verkaufsdirektor Paul G. Hahnemann bei einem Besuch in Dingolfing eine wie im BMW-Stil geänderte Limousine 1800 GL vorgestellt.
Das Fahrzeug wurde dann doch dem Markt vorenthalten, weil die Konkurrenz im eigenen Hause viel zu groß geworden wäre. So wurde in der Geschäftsführerbesprechung am 19. Juli 1967 aber beschlossen, an der Limousine zahlreiche Ausstattungsänderungen vorzunehmen und die Limousine in der veränderten Ausführung weiterhin mit dern bekannten 1700er Langhuber auf der IAA in Frankfurt zu präsentieren.
Im Oktober 1967 gab es aber den endgültigen Beschluß des BMW Vorstands, die eigenständige Fahrzeugproduktion in Dinogolfing auslaufen zu lassen. Dingolfing sollte Zulieferteile für die Produktion in Milbershofen liefern, so u.A. die Fahrgestelle für die Modelle 1600/1800. Schon Ende Oktober 1967 kam das Aus für die hübsche Frua-Limousine. Wobei aus vorliegenden Teilen bis Ende 1967 noch zahlreiche Fahrzeuge montiert und bis weit ins Jahr 1968 ausgeliefert wurden. Die letzten Fahrzeuge verließen das Werk erst am 25. Septernber 1968. Auch zahlreiche CKD (Completly knocket down)-Sätze wurden noch 1967 in 6er/lOer/l2er Packs zur Montage in Südafrika verpackt.
Inzwischen lag in München jedoch die Anfrage des südafrikanischen Importeurs ERAD vor, einen BMW in Südafrika eigenstandig zu montieren. Die Kontakte wurden über Herrn Stützel und Herrn Arnhardt geknüpft. Wobei Herr Arnhardt die bereits entwickelte Glas 1800 Limousine zur Produktion in Südafrika vorschlug. Dieser Vorschlag fiel im gesamten Konzern auf fruchtbaren Boden. Die ehemaligen Glas-Leute freuten sich, daß "ihr" Auto auch weiterhin in Produktion bleiben sollte. Außerdem mußten die bisher nicht amortisierten Investitionen in die Fertigungsanlagen der Limousine nicht abgeschrieben werden.
Der Glas schien robuster als der BMW und einfacher in der Fertigung. Bei einern Fehlschlag war nicht gleich das feine Image der aktuellen BMW-Palette in Mitleidenschaft gezogen. Es mußten nur wenige Dinge geändert werden, denn schon unter Glas-Regie war ein Rechtslenker entwickelt worden. Als Basis galt nun der im Juni entwickelte 1800 GL. Das Programm der südafrikanischen Regierung, das sogenannte Local Content Programm, sah vor, daß Autos zu mindestens 48%, inklusive der ganzen Karosserie, in Südafrika produziert werden mußten.
So wurde Claus Nickel, Jahrgang 1937, vorn BMW-Vorstand ausgewählt, den Anlauf der Produktion des 1800 GL in Südafrika zu leiten. Dafür wurde er im November und Dezember 1967 zum "Training" nach Dingolfing beordert. In Dingolfing zeigten ihm die niederbayerischen Experten, worauf beim Zusammenbau der Frua-Karosserie zu achten war. Fein säuberlich wurden alle Maschinen, Werkzeuge und Pressen auf die große Reise vorbereitet. Wobei das fertige Teil in jede Vorrichtung gelegt wurde, damit auch der ungelernte, evtl. Analphabet aus Afrika mit den Werkzeugen umgehen konnte.
Ab Mai 1968 wurde in Durban die erste Karosserie zusammengeschweißt. Wenige Experten aus Dingolfing, so u. A. Ernst Baumann, halfen schwierige Klippen zu überwinden. Wurde bei Glas das Dach z.B. von oben nach unten gezogen, wurde das Teil in Südafrika mit einer Kurbelpresse von unten nach oben gezogen und zwar inklusive der C-Säule.
Einen langjährigen Mißstand schaltete Nickel sofort ab. Die nach hinten abfallende Kofferraumklappe wurde in Durban auf das Niveau der Kotflügel gebracht.
Wahrscheinlich schon mit Auslieferung der ersten in Südafrika produzierten Fahrzeuge wurde der Name des Autos von 1800 GL in 1800 SA geändert. Bereits im Oktober 1968 wurde in München darüber nachgedacht für einen beabsichtigten 2000 GL stilistische Verbesserungen vorzunehmen.
Es sollte demnach nicht mehr allzu lange dauern, bis die Frua-Limousine, die schon 1963 von den Glas-Leuten favorisierten, Rundinstrumente erhielt.
Mehr hierzu erfahren Sie auch auf der Webseite von Ulrich Thieme:
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a60l10.htm BMW Südafrika
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a80l99.htm BMW 1800 SA und 2000 SA
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a86l99.htm BMW 1804 SA und 2004 SA
http://e12.assertion.de/palette/sa/02a87l99.htm GLAS 1700
|