GLAS Club
GLAS Automobil Club International e.V.


Die Hans GLAS GmbH

Sechzehn Jahre sind für die Automobilindustrie zuwenig, um als traditionsreich zu gelten. Aber für GLAS war die Zeitspanne lang genug, um ein interessantes Stück Automobilgeschichte zu schreiben. Lesen Sie im folgenden, was alles geschah..
-Mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Therasa, dem Verfasser dieses Artikels-

Hans Glas sen.
Am Anfang dieser Story stand ein Problem. Die 1883 gegründete Landmaschinenfabrik GLAS, die unter der Marke Isaria in Niederbayern als erfolgreiches Familien-Unternehmen galt, spürte Ende der 40er Jahre einen starken Nachfragerückgang im Markt der Landmaschinen. Die Überlegungen nach neuen Absatzmärkten wurden während einer Landmaschinen - Ausstellung in Modena/Italien auf ungewöhnliche Weise angeregt.

GLAS Roller-Prototyp
Der Junior-Chef Andreas Glas beobachtete den Siegeszug der Vespa in Italien und spürte, daß sich auch im Nachkriegs-Deutschland ein Motorrollerboom abzeichnen könnte  Zurück in Dingolfing machte man sich sogleich an die Entwicklung eines Rollers und entwickelte erste Prototypen. Die mit einem Ilo-Zweitaktmotor mit 125 ccm und Dreigang versehenen Roller gingen im Juli 1951 in Serie. Der Name Goggo war schnell gefunden, es war schlicht und einfach der Kosename des jüngsten Familiensprosses von GLAS.

Der fertige Roller
Direkt als grazile Schönheit konnte man den Goggo-Roller nicht bezeichnen, aber er war solide und robust konstruiert und diese Qualitäten kamen im Markt an. Der Goggo-Roller wurde zu einem der meistverkauften Roller im Deutschen Markt. Es folgte eine Programm-Erweiterung auf 150 ccm und auf 200 ccm, wahlweise wurde der Goggo-RoIIer mit Seitenwagen von Royal, Kali oder Steib angeboten und auch verschiedene Lastenroller-Typen wurden ins Programm genommen. 46.181 verkaufte Roller von Juli 1951 - Dezember 1956 sind eine eindrucksvolle Bilanz. Mit dem Roller wurde auch Geld verdient und damit die Grundlage für den Einstieg in die Automobil-Szene geschaffen.

Prototyp der Goggo Limousine
Der Roller war im Nachkriegs-Deutschland das Bindeglied zwischen Motorrad und Auto. Die Sehnsucht nach Mobilität, aber mit einem Dach über dem Kopf wurde immer größer. Der Wunsch nach einem Kleinwagen wollte befriedigt werden. Ein wahrer Kleinwagenboom entstand, aber die meisten dieser abenteuerlichen Konstruktionen konnten im Alltag nicht überzeugen. Auch GLAS startete 1952 die Entwicklung eines Kleinwagens. Aus den Fehlern der Anderen hatte man gelernt.

Goggomotor im Querschnitt
Obwohl das Goggomobil noch 1954 als Vierrad-Roller mit Rolldach angekündigt wurde und die ersten Prototypen noch mit Fronttür ausgestattet waren, wurden ab Februar 1955 ernstzunehmende Kleinwagen mit zwei seitlichen Türen und Platz für eine vierköpfige Familie zum Preis um die 3.000,- DM angeboten. Die Limousine war ein kleines Raumwunder, grundsolide und robust gebaut. Den Motor hatte der von Adler kommende Felix Dozekal entwickelt. Einen Parallel - Zweizylinder - Zweitakt Motor mit zunächst 250 ccm, der um eine 300 ccm Version und eine 400 ccm Version erweitert wurde. Die Leistungsbandbreite reichte von 13,6 PS für die Einstiegsversion bis zu 20 PS für die 400 ccm Top-Version.

Verschiffung der ersten Goggos
Auch das Fahrwerk konnte überzeugen. Mit tiefem Schwerpunkt und Pendelachsen mit Einzelradfederung an Vorder- und Hinterachse war das Goggomobil den direkten Konkurrenten dem Messerschmitt, der Isetta, der Heinkel Kabine und anderen Straßenflöhen weit überlegen. Die Zeitschrift Hobby schrieb in einem ersten Testbericht: "Um ein Goggomobil umzuwerfen, muß man schon auf eine Tellermine fahren." Mit anderen Worten, den Elchtest hätte das Goggomobil auch heute erfolgreich bestanden. Das Gesamtkonzept des Goggomobils war im Wettbewerb der Kleinwagen überlegen und damit begann der Siegeszug der Dingolfinger Autoschmiede. 1956 exportierte man das Goggomobil bereits in 36 Länder der Erde. Täglich wurden 170 Fahrzeuge hergestellt und am 21.06.1956 hatte man bereits 25.000 Goggomobile produziert.

Feier zum 100.000ten Goggo
Mit dem Goggomobil Coupé, das ab Februar 1957 produziert wurde und mit dem Goggo Transporter ab November 1957, den es sogar in einer Pick-up Version gab, hatte man ab 1957 sogar ein Kleinwagen-Familienprogramm, das ideal auf die verschiedenen Bedürfnisse der beginnenden Wohlstands-Gesellschaft zugeschnitten war. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Am 28. März 1958, knapp 3 Jahre nach Produktionsbeginn, ist das 100.000te Goggomobil produziert und mit mehr als 280.000 Fahrzeugen wird das Goggomobil der erfolgreichste Kleinwagen Deutschlands.


Aber das Goggomobil war eben nur ein Kleinwagen. Mit steigendem Wohlstand veränderte sich die Nachfrage und GLAS realisiert Pläne das Modell-Programm nach oben zu erweitern. Der Isar, dem man unglücklicherweise den Namen "Das große Goggomobil" gibt, soll den Anschluß Die Vierzylindermotoren nach oben sicherstellen. Ausgestattet mit einem 600 ccm Zweizylinder Viertakt Boxermotor und 19 PS, den der von BMW kommende Konstrukteur lschinger beisteuerte, läuft der Isar im August 1958 in Serie an. Ein 700 ccm Motor mit 30 PS erweitert das Programm nach oben und im November 1959 kommt eine Kombi-Version hinzu.


Trotz enormer Anlaufschwierigkeiten werden immerhin 87.585 Isar bis Ende 1965 produziert und verkauft. Doch dem Isar fehlt der Charme des Kleinwagens 04 im Renneinsatzund als richtig erwachsenes Fahrzeug wird er vom Markt nicht ausreichend akzeptiert. Das ändert sich schlagartig 1962, als GLAS mit einem völlig neuen Vierzylinder - Reihenmotor die Automobil - Industrie verblüfft. 1000 ccm und 42 PS hat der Motor, den man zu den modernsten Motorkonzepten seiner Zeit zählt. Als erster Motor in Serie ist er außerdem mit Zahnriemen für die Ventil-Steuerung ausgelegt und damit seiner Zeit weit voraus.
Der Motor ist das kraftvolle Herz der GLAS 04-Serie, die mit dem S1004 Coupé ab Mai 1962 anläuft. Der Wagen kommt an, denn er hat sportliche Qualitäten und ist immer häufiger auch auf den Rennstrecken erfolgreich. "Porsche des kleinen Mannes" ist ein Beiname, den man ihm gibt.


Die Karosserie ist dagegen eher konventionell. Die langen Überhänge vorne und hinten und die schablonenhafte Kantigkeit sind gewöhnungsbedürftig für das Auge. Mit 5.380,- DM ist der 1004 im Jahr 1962 jedoch eine preisgünstige Offerte. Auch bei der 04-Serie wird das Programm schnell ausgeweitet. 1963 kommt GLAS ist Meister!eine Limousine und ein Cabrio auf den Markt und 1966 wird das Angebot um eine Schrägheck Limousine erweitert. Die Motoren werden auch mit 1200 ccm und 1300 ccm bis 85 PS angeboten und in der leistungsstärksten Version, mit dem 1304 TS mit 85 PS wurde GLAS zum Schrecken mancher Mittelklasse-Limousinen auf den deutschen Autobahnen. 1963 bis 1965 ist GLAS mit dem 04 im Tourenwagen-Sport sehr erfolgreich und gewinnt 1965 sogar mit Gerhard Bodmer die deutsche Tourenwagen-Rundstrecken-Meisterschaft. Diese Erfolge sind wichtig für die Verkaufszahlen und für das Image.
Die Fachwelt erkennt den Pioniergeist und die technologische Kompetenz von GLAS an und man beginnt, die Marke GLAS als ernstzunehmenden Konkurrenten anzusehen.

1700 - GT Vorstellung
Erst recht, als GLAS 1963 auf der IAA in Frankfurt einer staunenden Fachwelt den GLAS GT und die 1700 Limousine vorstellt. Der GLAS-Stand ist Mittelpunkt der IAA. Man ist fassungslos, in welch kurzer Zeit das kleine Familienunternehmen es geschafft hat, derart interessante und neuartige Konstruktionen zu entwickeln, die dazu noch unglaublich schön sind. Die Kooperation mit dem Turiner Karosseriedesigner Pietro Frua eröffnet für GLAS technisch und optisch völlig neue Dimensionen und das Publikum ist begeistert.
Der Verkauf läuft gut an, aber zugleich wird deutlich, daß GLAS in Preisregionen vorgestoßen ist, wo mehr als ein überzeugendes Produkt im Wettbewerb zählt. Es fehlt GLAS an Ansehen und an Tradition. Für viele Autofahrer ist GLAS zum Synonym für das Goggomobil geworden.


Mit dem GLAS V8, der im Juli 1966 in Serie geht, startet GLAS dann noch den Ausflug in die Oberklasse. "GLAS greift nach den Sternen" ist die Aussage der Presse, als der V8 dem Fachpublikum vorgestellt wird. Es wird lediglich eine Vorserie produziert. Das Modell-Programm von GLAS umfaßt zu diesem Zeitpunkt fast 30 Modell-Varianten. Der Produktionsaufwand ist

GLAS V8

hoch und entsprechend wird sich auch die Kostenstruktur des Unternehmens ungünstig entwickelt haben. Erhebliche Investitionen und Umstrukturierungen wären notwendig gewesen, um den Erfolg von GLAS für die Zukunft abzusichern. Das Image von GLAS wurde nicht in dem Maße weiterentwickelt, wie das Produktprogramm. So entstand eine Schere,  wo Image und Produkt auseinanderklafften und am Ende der Erfolg im Markt sich nicht in dem Maße einstellen konnte, wie es für die Zukunftssicherung von GLAS notwendig geworden wäre.

Glas-V8-Motor
Frühzeitig hatte man das bei GLAS erkannt und der Übernahme durch BMW zugestimmt, die dann am 10. November 1966 erfolgte. In der offiziellen Pressemitteilung von BMW ieß es dann: "Die bayerische Automobilgeschichte ist um ein großes Ereignis reicher geworden. Die Unterschriften wurden unter einen Vertrag gesetzt, wonach die GLAS Automobilwerke Dingolfing Bestandteil der Bayerischen Motorenwerke München geworden sind. Eine Konzentration fand statt, die Bayern endgültig zu einem bedeutenden Automobil-Zentrum macht."



Soviel im Schnelldurchgang zu sechzehn ereignisreichen Jahren, in denen GLAS Automobil-Geschichte geschrieben hat. Die technischen Leistungen waren beeindruckend und die Produkte überzeugend. Davon profitieren heute all die, die die Geschichte lebendig halten, indem sie auf 2 oder 4 Rädern weiter mit GLAS durchs Zeitgeschehen brausen und die Erinnerung an eine fantastische Marke wachhalten