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Am Anfang dieser Story stand ein Problem. Die 1883 gegründete
Landmaschinenfabrik GLAS, die unter der Marke Isaria in
Niederbayern als erfolgreiches Familien-Unternehmen galt,
spürte Ende der 40er Jahre einen starken
Nachfragerückgang im Markt der Landmaschinen. Die
Überlegungen nach neuen Absatzmärkten wurden während
einer Landmaschinen - Ausstellung in Modena/Italien auf
ungewöhnliche Weise angeregt.
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Der Junior-Chef Andreas Glas beobachtete den Siegeszug der Vespa
in Italien und spürte, daß sich auch im
Nachkriegs-Deutschland ein Motorrollerboom abzeichnen
könnte Zurück in Dingolfing machte man sich
sogleich an die Entwicklung eines Rollers und entwickelte erste
Prototypen. Die mit einem Ilo-Zweitaktmotor mit 125 ccm und
Dreigang versehenen Roller gingen im Juli 1951 in Serie. Der Name
Goggo war schnell gefunden, es war schlicht und einfach der
Kosename des jüngsten Familiensprosses von GLAS.
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Direkt als grazile Schönheit konnte man den Goggo-Roller
nicht bezeichnen, aber er war solide und robust konstruiert und
diese Qualitäten kamen im Markt an. Der Goggo-Roller wurde zu
einem der meistverkauften Roller im Deutschen Markt. Es folgte eine
Programm-Erweiterung auf 150 ccm und auf 200 ccm, wahlweise wurde
der Goggo-RoIIer mit Seitenwagen von Royal, Kali oder Steib
angeboten und auch verschiedene Lastenroller-Typen wurden ins
Programm genommen. 46.181 verkaufte Roller von Juli 1951 - Dezember
1956 sind eine eindrucksvolle Bilanz. Mit dem Roller wurde auch
Geld verdient und damit die Grundlage für den Einstieg in die
Automobil-Szene geschaffen.
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Der Roller war im Nachkriegs-Deutschland das Bindeglied zwischen
Motorrad und Auto. Die Sehnsucht nach Mobilität, aber mit
einem Dach über dem Kopf wurde immer größer. Der
Wunsch nach einem Kleinwagen wollte befriedigt werden. Ein wahrer
Kleinwagenboom entstand, aber die meisten dieser abenteuerlichen
Konstruktionen konnten im Alltag nicht überzeugen. Auch GLAS
startete 1952 die Entwicklung eines Kleinwagens. Aus den Fehlern
der Anderen hatte man gelernt.
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Obwohl das Goggomobil noch 1954 als Vierrad-Roller mit Rolldach
angekündigt wurde und die ersten Prototypen noch mit
Fronttür ausgestattet waren, wurden ab Februar 1955
ernstzunehmende Kleinwagen mit zwei seitlichen Türen und Platz
für eine vierköpfige Familie zum Preis um die 3.000,- DM
angeboten. Die Limousine war ein kleines Raumwunder, grundsolide
und robust gebaut. Den Motor hatte der von Adler kommende Felix
Dozekal entwickelt. Einen Parallel - Zweizylinder - Zweitakt Motor mit
zunächst 250 ccm, der um eine 300 ccm Version und eine 400 ccm
Version erweitert wurde. Die Leistungsbandbreite reichte von 13,6
PS für die Einstiegsversion bis zu 20 PS für die 400 ccm
Top-Version.
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Auch das Fahrwerk konnte überzeugen. Mit tiefem Schwerpunkt und Pendelachsen mit Einzelradfederung an Vorder- und Hinterachse war das Goggomobil den direkten Konkurrenten dem Messerschmitt, der
Isetta, der Heinkel Kabine und anderen Straßenflöhen weit überlegen. Die Zeitschrift Hobby schrieb in einem ersten Testbericht: "Um ein Goggomobil umzuwerfen, muß man schon auf
eine Tellermine fahren." Mit anderen Worten, den Elchtest
hätte das Goggomobil auch heute erfolgreich bestanden. Das Gesamtkonzept des Goggomobils war im Wettbewerb der Kleinwagen überlegen und damit begann der Siegeszug der Dingolfinger Autoschmiede. 1956 exportierte man das Goggomobil bereits in 36 Länder der Erde. Täglich wurden 170 Fahrzeuge hergestellt und am 21.06.1956 hatte man bereits 25.000 Goggomobile produziert.
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Mit dem Goggomobil Coupé, das ab Februar 1957 produziert
wurde und mit dem Goggo Transporter ab November 1957, den es sogar
in einer Pick-up Version gab, hatte man ab 1957 sogar ein
Kleinwagen-Familienprogramm, das ideal auf die verschiedenen
Bedürfnisse der beginnenden Wohlstands-Gesellschaft
zugeschnitten war. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Am
28. März 1958, knapp 3 Jahre nach Produktionsbeginn, ist das
100.000te Goggomobil produziert und mit mehr als 280.000 Fahrzeugen
wird das Goggomobil der erfolgreichste Kleinwagen
Deutschlands.
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Aber das Goggomobil war eben nur ein Kleinwagen. Mit steigendem
Wohlstand veränderte sich die Nachfrage und GLAS realisiert
Pläne das Modell-Programm nach oben zu erweitern. Der Isar,
dem man unglücklicherweise den Namen "Das große
Goggomobil" gibt, soll den Anschluß nach oben sicherstellen. Ausgestattet mit einem 600
ccm Zweizylinder Viertakt Boxermotor und 19 PS, den der von BMW
kommende Konstrukteur lschinger beisteuerte, läuft der Isar im
August 1958 in Serie an. Ein 700 ccm Motor mit 30 PS erweitert das
Programm nach oben und im November 1959 kommt eine Kombi-Version
hinzu.
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Trotz enormer Anlaufschwierigkeiten werden immerhin 87.585 Isar
bis Ende 1965 produziert und verkauft. Doch dem Isar fehlt der
Charme des Kleinwagens und
als richtig erwachsenes Fahrzeug wird er vom Markt nicht
ausreichend akzeptiert. Das ändert sich schlagartig 1962, als
GLAS mit einem völlig neuen Vierzylinder - Reihenmotor die
Automobil - Industrie verblüfft. 1000 ccm und 42 PS hat der
Motor, den man zu den modernsten Motorkonzepten seiner Zeit
zählt. Als erster Motor in Serie ist er außerdem mit
Zahnriemen für die Ventil-Steuerung ausgelegt und damit seiner
Zeit weit voraus.
Der Motor ist das kraftvolle Herz der GLAS 04-Serie, die mit dem
S1004 Coupé ab Mai 1962 anläuft. Der Wagen kommt an,
denn er hat sportliche Qualitäten und ist immer häufiger
auch auf den Rennstrecken erfolgreich. "Porsche des kleinen Mannes"
ist ein Beiname, den man ihm gibt.
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Die Karosserie ist dagegen eher konventionell. Die langen
Überhänge vorne und hinten und die schablonenhafte
Kantigkeit sind gewöhnungsbedürftig für das Auge.
Mit 5.380,- DM ist der 1004 im Jahr 1962 jedoch eine
preisgünstige Offerte. Auch bei der 04-Serie wird das Programm
schnell ausgeweitet. 1963 kommt eine Limousine und ein
Cabrio auf den Markt und 1966 wird das Angebot um eine
Schrägheck Limousine erweitert. Die Motoren werden auch mit
1200 ccm und 1300 ccm bis 85 PS angeboten und in der
leistungsstärksten Version, mit dem 1304 TS mit 85 PS wurde
GLAS zum Schrecken mancher Mittelklasse-Limousinen auf den
deutschen Autobahnen. 1963 bis 1965 ist GLAS mit dem 04 im
Tourenwagen-Sport sehr erfolgreich und gewinnt 1965 sogar mit
Gerhard Bodmer die deutsche Tourenwagen-Rundstrecken-Meisterschaft.
Diese Erfolge sind wichtig für die Verkaufszahlen und für
das Image.
Die Fachwelt erkennt den Pioniergeist und die technologische
Kompetenz von GLAS an und man beginnt, die Marke GLAS als
ernstzunehmenden Konkurrenten anzusehen.
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Erst recht, als GLAS 1963 auf der IAA in Frankfurt einer
staunenden Fachwelt den GLAS GT und die 1700 Limousine vorstellt.
Der GLAS-Stand ist Mittelpunkt der IAA. Man ist fassungslos, in
welch kurzer Zeit das kleine Familienunternehmen es geschafft hat,
derart interessante und neuartige Konstruktionen zu entwickeln, die
dazu noch unglaublich schön sind. Die Kooperation mit dem
Turiner Karosseriedesigner Pietro Frua eröffnet für GLAS
technisch und optisch völlig neue Dimensionen und das Publikum
ist begeistert.
Der Verkauf läuft gut an, aber zugleich wird deutlich,
daß GLAS in Preisregionen vorgestoßen ist, wo mehr als
ein überzeugendes Produkt im Wettbewerb zählt. Es fehlt
GLAS an Ansehen und an Tradition. Für viele Autofahrer ist
GLAS zum Synonym für das Goggomobil geworden.
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Mit dem GLAS V8, der im Juli 1966 in Serie geht, startet GLAS dann
noch den Ausflug in die Oberklasse. "GLAS greift nach den Sternen"
ist die Aussage der Presse, als der V8 dem Fachpublikum vorgestellt
wird. Es wird lediglich eine Vorserie produziert. Das
Modell-Programm von GLAS umfaßt zu diesem Zeitpunkt fast 30
Modell-Varianten. Der Produktionsaufwand ist
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hoch und
entsprechend wird sich auch die Kostenstruktur des Unternehmens ungünstig entwickelt haben. Erhebliche Investitionen und Umstrukturierungen wären notwendig gewesen, um den Erfolg von GLAS für die Zukunft abzusichern. Das Image von GLAS wurde nicht in dem Maße weiterentwickelt, wie das Produktprogramm.
So entstand eine Schere, wo Image und Produkt
auseinanderklafften und am Ende der Erfolg im Markt sich nicht in dem Maße einstellen konnte, wie es für die Zukunftssicherung von GLAS notwendig geworden wäre.
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Frühzeitig hatte man das bei GLAS erkannt und der
Übernahme durch BMW zugestimmt, die dann am 10. November 1966
erfolgte. In der offiziellen Pressemitteilung von BMW ieß es
dann: "Die bayerische Automobilgeschichte ist um ein großes
Ereignis reicher geworden. Die Unterschriften wurden unter einen
Vertrag gesetzt, wonach die GLAS Automobilwerke Dingolfing
Bestandteil der Bayerischen Motorenwerke München geworden
sind. Eine Konzentration fand statt, die Bayern endgültig zu
einem bedeutenden Automobil-Zentrum macht."
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Soviel im Schnelldurchgang zu sechzehn ereignisreichen Jahren, in
denen GLAS Automobil-Geschichte geschrieben hat. Die technischen
Leistungen waren beeindruckend und die Produkte überzeugend.
Davon profitieren heute all die, die die Geschichte lebendig
halten, indem sie auf 2 oder 4 Rädern weiter mit GLAS durchs
Zeitgeschehen brausen und die Erinnerung an eine fantastische Marke
wachhalten
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